Rede Sabine Boss, Filmemacherin, angesichts der Unterzeichnung des neuen Pacte de l’audiovisuel am 8. März 2016

Sehr geehrte Anwesende
Ich möchte mit einem Zitat des einstigen deutschen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker beginnen. Er sagte:
„Es ist grotesk, dass wir Ausgaben im kulturellen Bereich „Subventionen“ nennen, während kein Mensch auf die Idee käme, die Ausgaben für ein Bahnhofsgebäude oder einen Spielplatz als „Subventionen“ zu bezeichnen. Der Ausdruck lenkt uns in die falsche Richtung. Denn Kultur ist kein Luxus, den wir uns leisten oder auch streichen könnten, sondern der geistige Boden, der unsere eigentliche innere Überlebensfähigkeit sichert.“
Das Schweizer Kulturschaffen braucht den Pacte. Denn er bedeutet Kontinuität. Filmemachen ist kein Hobby, das man alle paar Jahre mal ausübt, um sich selber zu verwirklichen. Es ist ein Beruf, mit einer gesellschaftlichen Verantwortung, und nur wer ihn kontinuierlich ausüben kann, kann ihn auch richtig ausüben.
Der Pacte bedeutet aber auch Arbeitsplätze. Jeder Film, der von der SRG unterstützt wird, generiert im Schnitt Teilzeitstellen für hundertfünfzig bis zweihundert Menschen. Und das sind nicht nur Künstlerinnen und Künstler, sondern vor allem Handwerker, Computerspezialisten, Grafiker, Techniker, Köche, Fahrer, Buchhalter, Bürokräfte usw.
Wenn man in der Presse von den Millionenbeträgen für unsere Filme liest, dann geht genau das oft vergessen: wie viele Menschen und Berufsgattungen mit Herz und Seele hinter diesen Projekten stehen.
Deshalb möchte ich mich als Regisseurin stellvertretend für alle an unseren Filmen Beteiligten bedanken, dass Sie durch den Pacte unsere Branche und die Schweizer Kultur wirksam und nachhaltig unterstützen.
Als man während des Zweiten Weltkriegs Winston Churchill darum bat, angesichts der hohen Militärkosten doch bitte die Gelder für Kultur zu kürzen, meinte er nur: „But that’s what we are fighting for.“